About

Tobias Lorsbach is also known under the names Keinzweiter (Archipel), Lavajaz (spontanMusik), Super Launcher (overX), Antiga Prime (Klang Elektronik), Supralist (spontanMusik), Jabba44 (Ovedrive), Elco Park (Force Inc, together with Max Wendling as Paradroid) or Horst (spontanMusik, together with Tilman). He runs the label spontanMusik that exists since 2002.
Publicly active since 2000, in which year he raised in collaboration with Mirco Mengler the project “Jabba 44″ his first release to date on the mainz based label Overdrive. In subsequent years he published numerous releases and remixes under pseudonyms like Antiga Prime, Superlauncher or Elco Park. Because of an upcoming release at the Neu-Isenburg label 3D, the pseudonym of “Keinzweiter” was created, which should henceforth be responsible for all dance creations. At the same time he appeared on the Frankfurt-based label “Klang Elektronik” the EP “Radio City” (as Antiga Prime), which was featuered by Richi Hawtin on his legendary compilation “Closer To The Edit”.
After a short time he created a label concept and in the years 2002 to 2004 spontanMusik was baptized by three independent vinyl releases, very well received, especially from the experimental field of techno/house scene.
After some further vinyl releases in 2006, the first digital only release of “Keinzweiter” on the Canadian label Archipel (Pheek) was released.
2009 he released his first real concept album “Globus Cassus”, which offers both a retrospective of one year of sound-development work.
Lorsbach is not often claimed for Minimal-Techno, but for his musical concept,the influences such as jazz, classical, neue musik or funk are taking a much bigger part in his music as the dance-music approach. This is especially evident in current productions, which include in contrast to earlier stuff more consonance and sophisticated arrangements.
The time is devoted Lorsbach reshaping his styles and approach concentrating on the search for new publishing opportunities.

Interview and remix-competition in german print mag for
DJs and producers “Beat”


De:Bug 126

Widersprüche sind die Grundkonstante in Keinzweiters Musik. In seiner Person, als DJ, in seinem Sound und in der Vorliebe für Musiker, die Ambivalenzen aushalten können. “An Musikern finde ich gerade so toll, wenn sie sich um nichts scheren. Wenn sich ein Max Cavalera von Soulfly einfach hinstellt und sagt: ‘Ok, dann mache ich halt jetzt was mit einem Volksmusiker und mische Dancehall mit Metal’. Das hat mich immer schon an Musik fasziniert. Ich kann mir auch Arnold Schönberg anhören und direkt danach Sepultura.”

Und das ist keinesfalls übertrieben. Keinzweiter aka Tobias Lorsbach betreibt das Label Spontan Musik und veröffentlicht Tracks von Paradroid, Tom Ellis, Fym und demnächst Dave Aju. Beim Hören seines Debut-Albums “Globus Cassus”, ist schnell das Ende der Eindeutigkeit erreicht. Microfunk, der eigenständig klingt, durch flüchtige, nicht-wiederkehrende neue Sounds besticht und in sich scheinbar total ambivalent ist. Die Arrangements der Sounds sind komplex, haben aber witzige Momente. Die digitale Klangästhetik ist kühl und versprüht dennoch analoge Wärme.

Das Album fühlt sich an wie ein Ritt auf einem Drumcomputer durch eine Spielhalle, wie die Reizüberflutung beim ersten Besuch in Tokyo und manchmal wie ein Radio, das auf einen toten Kanal eingestellt ist. Um diese Uneindeutigkeiten in ein Album zu packen, braucht es eben nicht nur Mut Widersprüche auszuhalten, sondern auch ein breites musikalisches Wissen, auf das der 30-jährige Mainzer zurückgreifen kann.

Zu seinen Einflüssen zählen Chuck Schuldiner, Sänger und Gitarrist der Deathmetal-Band Death, die moderne Klassik von Stockhausen und Bernard Parmegiani; der Jazz eines John Zorn und Cristian Vogel, der Mitte der 90er als Aushängeschild der Brighton-School eine neue Herangehensweise beim Produzieren von Techno etablierte. Aus diesem Klang-Kosmos, der direkt-sinnlichen Ansprache von Techno und dem intellektuellen Abstand des Jazz formte Keinzweiter seine Interpretation von Microfunk.

Die Auseinandersetzung mit Musik steht im Vordergrund. “Ich ziehe verschiedene Strukturen aus verschiedenen Musikarten und füge sie zu meinem Sound zusammen”, sagt er über seine Vorgehensweise. Die Philosophie seines Labels Spontan Musik ist ähnlich: “Ich will einfach nur hören, dass derjenige, der die Musik gemacht hat, keiner ist, der Musik selbstreferenziell betreibt. Also Leute, die nur Techno machen und ihre Einflüsse aus Techno beziehen … Der Stil ist egal. Es kann auch Jazz oder HipHop sein. Die Musik darf nur nicht selbstreferenziell klingen.”

Das alles klingt recht komplex und seine Einflüsse und die Ergebnisse sind widersprüchlich. Doch wenn sich seine Tracks auf dem Dancefloor entfalten, gehen sie direkt in den Körper, auch wenn sie meist in die Minimal-Ecke gesteckt und als zu verkopft dargestellt werden. “Meine Musik wird oft falsch verstanden. Sie sei zu schwierig, zu verkopft oder zu kompliziert. Aber das ist oft ein Missverständnis, weil ich auch spleenige und witzige Elemente drin habe. Ich bin kein Mensch, der im schwarzen Mantel durch die Gegend rennt. Ich bin kein Grufti oder so. Ich bin jemand, der viel feiert und gerne lacht. Die Musik hat auch witzige Momente, nur versteht sie halt nicht jeder … Sie ist Tanzmusik, aber nicht leicht zugänglich.”